Katzen zeigen ihr Befinden selten laut oder deutlich. Stattdessen kommunizieren sie über kleine körperliche Signale – Veränderungen, die im Alltag leicht übersehen werden.
Eines davon ist Sabbern, also vermehrter Speichelfluss. Wenn Katzen plötzlich feuchte Mundwinkel haben, fragen sich viele Halter sofort: Ist das noch normal oder ein Warnzeichen?
Die Antwort ist nicht eindeutig – denn Sabbern ist kein Symptom mit nur einer Bedeutung. Oft sagt der Körper der Katze damit mehr über ihre aktuelle Situation aus, als man auf den ersten Blick vermutet.
Viele Halter bemerken Sabbern erst beim zweiten Hinsehen

Interessanterweise fällt Sabbern oft nicht sofort auf.
Im Alltag sieht man seine Katze meist aus einiger Entfernung: sie schläft, läuft durch die Wohnung oder sitzt am Fenster. Erst in ruhigen Momenten – beim Streicheln, Spielen oder Hochheben – bemerken viele plötzlich: Das Fell am Maul ist feucht.
Gerade bei Katzen, die Nähe zulassen oder gern im Gesicht gestreichelt werden, wird Sabbern eher wahrgenommen. Deshalb entsteht manchmal der Eindruck, es sei „plötzlich“ da, obwohl es möglicherweise schon vorher leicht vorhanden war.
Diese Beobachtung ist wichtig, denn sie zeigt: Sabbern entsteht nicht immer abrupt, sondern entwickelt sich oft unauffällig im Hintergrund.
Sabbern oder nur feuchtes Maul? Der feine Unterschied

Nicht jedes feuchte Mäulchen bedeutet gleich, dass eine Katze sabbert.
Ein leicht feuchter Mund ist bei Katzen völlig normal – besonders nach dem Putzen oder in entspannten Momenten.
Von Sabbern spricht man eher, wenn:
- sich sichtbar Speichel an den Mundwinkeln sammelt
- einzelne Tropfen im Fell hängen bleiben
- das Maul auch ohne vorheriges Putzen länger feucht wirkt
Diese Unterscheidung hilft dabei, Situationen besser einzuordnen, ohne vorschnell Schlüsse zu ziehen. Denn zwischen „normal feucht“ und „auffällig sabbernd“ liegt oft nur eine kleine, aber entscheidende Grenze.
Sabbern kann ein Zeichen von Entspannung sein

In vielen Fällen ist Sabbern harmlos.
Wenn eine Katze tief entspannt ist, schnurrt, sich strecken lässt oder besonders intensiv gestreichelt wird, kann die Speichelproduktion leicht ansteigen.
Typisch für diese Situation sind:
- eine ruhige Körpersprache
- halb geschlossene Augen
- gleichmäßiges Schnurren
Hier ist Sabbern kein Problem, sondern eher ein Begleitsignal von Wohlbefinden.
Wenn Sabbern häufiger auftritt: genauer hinschauen
Tritt Sabbern jedoch regelmäßig oder über längere Zeit auf, lohnt es sich, den Alltag der Katze genauer zu betrachten. Dabei spielen nicht nur körperliche, sondern auch äußere Einflüsse eine Rolle.
Ein besonders häufig unterschätzter Faktor ist die Temperatur.
Temperaturwechsel und Erkältung: ein stiller Auslöser
Gerade in der Übergangszeit reagieren viele Katzen empfindlich auf plötzliche Temperaturunterschiede. Kalte Zugluft, offene Fenster oder der Wechsel zwischen warmen und kühleren Räumen können dazu führen, dass Katzen sich leicht erkälten.
In solchen Fällen zeigen manche Katzen:
- leichtes Sabbern
- gelegentliches Niesen
- ein erhöhtes Ruhebedürfnis
Das Sabbern ist hier kein isoliertes Symptom, sondern Teil einer körperlichen Reaktion auf Kälte oder gereizte Schleimhäute.
Wärme und Rückzugsorte machen einen Unterschied

Ein stabiler, warmer Schlafplatz unterstützt den Körper der Katze bei der Regeneration.
Ein gut platzierter Katzenbett fern von Zugluft kann helfen, kleine Reaktionen wie Sabbern oder Niesen zu reduzieren.
Viele Katzen bevorzugen außerdem geschützte Rückzugsorte. Katzenhöhlen bieten nicht nur Wärme, sondern auch ein Gefühl von Sicherheit – besonders in ruhigeren, kühleren Phasen des Jahres.
Ein persönliches Beispiel: meine Katze Luna

Meine dreijährige getigerte Katze Luna ist normalerweise sehr robust, reagiert aber sensibel auf Wetterumschwünge.
Im letzten Herbst fiel mir auf, dass sie morgens gelegentlich leicht sabberte und ab und zu nieste – ansonsten war sie aufmerksam, verspielt und fraß normal.
Ihr Lieblingsplatz lag direkt am Fenster, wo es nachts deutlich kühler wurde. Nachdem ich ihren Schlafplatz etwas geschützter eingerichtet hatte, verschwanden die Anzeichen nach wenigen Tagen von selbst.
Für mich war das ein gutes Beispiel dafür, dass Sabbern manchmal einfach ein Hinweis auf Umweltbedingungen ist – kein Grund zur Sorge, sondern zum bewussten Anpassen.
Auch Stress kann sich im Sabbern zeigen
Neben Temperatur und Entspannung spielt auch emotionale Belastung eine Rolle.
Neue Geräusche, fremde Menschen oder Veränderungen im Tagesablauf können bei empfindlichen Katzen kurzfristig zu Sabbern führen.
Typisch ist dabei:
- das Sabbern tritt nur in bestimmten Situationen auf
- es verschwindet wieder, sobald Ruhe einkehrt
- das allgemeine Verhalten bleibt stabil
Der Körper reagiert hier ähnlich wie beim Menschen – leise, aber spürbar.
Wann Sabbern ernst genommen werden sollte

So vielseitig die Ursachen auch sind, es gibt Situationen, in denen Sabbern genauer beobachtet werden sollte:
- dauerhaft starker Speichelfluss
- unangenehmer Geruch aus dem Maul
- gleichzeitige Appetitlosigkeit oder Rückzug
In solchen Fällen ist Sabbern weniger ein Signal als vielmehr ein Hinweis auf ein tieferliegendes Problem.
Sabbern verstehen statt vorschnell bewerten
Katzen sprechen mit ihrem Körper. Sabbern ist dabei kein eindeutiges Zeichen, sondern eine Einladung, genauer hinzusehen.
Oft geht es nicht um Krankheit, sondern um Umgebung, Temperatur oder emotionale Balance.
Wer aufmerksam beobachtet und kleine Anpassungen vornimmt, versteht schneller, was der Körper sagen möchte – und schafft die Grundlage für ein ruhiges, sicheres Katzenleben.




































